Historie

Über 175 Jahre Rautenberg

 

Im Jahre 1825 übernahm Carl Ludwig Rautenberg (1803-1873) eine kleine Buchbinderei und gründete die „Verlagsbuchhandlung C. L. Rautenberg“ in der Herder-Stadt Mohrungen in Ostpreußen. Er handelte mit Gesangbüchern, Fibeln, Lehr- und Lesebüchern. Seine literarische Begabung veranlasste ihn zur Herausgabe von vielen eigenen Büchern. 1830 erschien unter anderen das erste Kalender-Jahrbuch „Der redliche Preuße“, das bis heute, nur unterbrochen durch die Jahre der Kriege, erscheint.

1834 schenkte ihm Zarin Alexandra Feodorowna Kaiserin von Russland, eine Schwester von Kaiser Wilhelm I., eine goldene Schnupftabakdose als Dank für seine Begrüßung und Begleitung während einer Reise durch Ostpreußen. Dies Kleinod ist noch heute in Familienbesitz.

Carl Ludwig Rautenberg schrieb, druckte und verlegte 1837 das Buch „Das Leben der Königin von Preußen Luise“, von dem im Jahre 1977, also 140 Jahre später, ein Reprint erschien, der inzwischen wieder in zwei Auflagen mit 5000 Stück verkauft wurde. Die Reihe „Preußische Volksbücher“ erschien, die man von der Idee her als Vorläufer der Rowohlt Taschenbücher ansehen könnte. Schnell richtete er eine Druckerei ein und eröffnete mehrere Filialen in sechs Städten Ostpreußens. Dann konzentrierte er seine Aktivitäten in Königsberg, der Hauptstadt Ostpreußens, wo er bereits 1856 mit seinem Sohn Emil (1826-1885) einen Betrieb im Zentrum der Stadt gründete.

„C. L. Rautenberg und Sohn“ entwickelte sich sehr gut. Vor allem die Druckerei wurde ständig erweitert und modernisiert. Nach Emil Rautenbergs Tod führte seine Frau Auguste (1839-1915) den Betrieb, bis ihr Sohn Gerhard (1872-1932) die stark erweiterte Druckerei in einem Neubau mit modernsten Buchdruck-Steindruck- und Buchbinderei-Maschinen übernahm.

Nach Wirtschaftskrise, Inflation und dem Tod seines Vaters übernahm der zweite Gerhard (1905-1982) den Betrieb und steuerte ihn durch den Krieg. Die Bombenangriffe der Royal Airforce im August 1944 mit den gewaltigen Zerstörungen Königsbergs löschten auch die Druckerei Rautenberg vollkommen aus, die zu dieser Zeit etwa 120 Mitarbeiter hatte und eine der größten Druckereien Ostpreußens war. Nach der Flucht aus Ostpreußen traf sich die Familie im Erzgebirge wieder und gelangte über viele Stationen nach Leer. In der ehemaligen OTZ (Ostfriesische Tageszeitung) in der Norderstraße begann 1948 Gerhard Rautenberg, in den ersten Jahren bis 1954 mit Kompagnon Hellmut Möckel, eine neue Existenz zu gründen. Der erste offizielle Eintrag der neuen Firma erfolgte auf den 15. Februar 1949.

Die „Ostfriesen-Zeitung“ wurde im Auftrag der Nordwest-Zeitung (Oldenburg) viele Jahre bei Rautenberg in Leer gedruckt. Außerdem wurden weitere Zeitungen sowie Werbeprospekte, Zeitschriften und Bücher, auch für den eigenen neuen Verlag, gedruckt.